Wie Phoenix aus der Asche.
Ein Brand zerstörte das Heim von Gitta und Gerhard Heitze aus Netphen-Werthenbach. Ihr neues Büdenbender-Haus ist mehr als eine Entschädigung für das erlittene Unheil.
Eigentlich sei er selber schuld, dass ihm das Dach über dem Kopf wegbrannte, meint Gerhard Heitze mit Abstand von zwei Jahren mit Galgenhumor. Hätte er sich nicht ein Bein gebrochen, hätte er nicht den Dachdecker gerufen, sondern den lockeren Schieferziegel selber ausgewechselt. Allerdings würden er und seine Frau Gitta dann auch nicht ihr neu es Büdenbender-Haus genießen können. Seit eineinhalb Jahren nun schon.
Der Schock vom Nachmittag des 20. Februar 2001 sitzt immer noch tief. Schließlich handelte es sich nicht „nur“ um das eigene ver traute Zuhause, sondern um das Elternhaus. „Mein Vater hatte es 1948/49 gebaut“, er zählt der Maschinenbauer und Fast-Pensionär aus Netphen-Werthenbach. Ein massives Haus mit solide gemauertem Feldsteinunter grund inklusive Keller und Fachwerk im Ober geschoss. Im Erdgeschoss wohnten die Eltern von Gerhard Heitze, im oberen er selber mit Frau Gitta und den beiden Kindern, seit einigen Jahren lebt das Paar dann hier allein.
Und dann der schreckliche Nachmittag. „Der Dachdecker hatte mit einem Handbrenner einen Befestigungsnagel heiß gemacht, offensichtlich zu heiß für die Holzbretter,“ rekapituliert Gerhard Heitze das Geschehen an jenem Februartag zwischen 16.15 und 16.30 Uhr. Zunächst registrierte Gitta Heitze nur ein Knistern, als sie die Luke dicht machen wollte. Kurze Zeit darauf brannte es lichterloh. 98 Feuerwehrleute von 13 Wehren waren zum Löschen herbeigeeilt und setzten das Haus gezwungenermaßen völlig unter Wasser.
Wie weiter? Wegziehen war kein Thema. Selbstbewusst und von sympathischer Bodenständigkeit: Das neue Haus der Heitzes erhebt sich auf den Kellerfundamenten des alten. Das Siegerland mit seinen sanften Hügeln, Wäldern und Tälern bietet eine schöne Kulisse für den strahlenden Neubau.
Die Feldsteine samt Keller hatten Feuer und Wasser gut überstanden. Also ein neues Haus auf altem Keller? Ein Zweifamilienhaus wie vorher oder eins für uns allein? Die Kinder, in Düsseldorf lebend, sagten: Baut für euch. Massiv dauert zu lange, befand das Ehepaar, also ein Fertighaus. Da wusste man die Firma Büdenbender in der Nähe, nur wenige Kilometer entfernt in Hainchen. „Büdenbender hat einen guten Namen, nicht nur in unserer Gegend.“ Heitzes schauten sich die Konstruktion genauer an. Gut isoliert, solide. Alle Grundrisswünsche lassen sich verwirklichen, garantierte das Unternehmen. Faires Preis-Leistungsverhältnis. Kurze Bauzeit. Als am 24. April 2001 grünes Licht zum Wiederaufbau vom Bauamt kam, wusste die Beiden, mit wem sie es tun würden. Nach dem Willen der Versicherung sollte das Erdgeschoss des abgebrannten Hauses ursprünglich erhalten. Gerhard Heitze machte sich angesichts verschimmelter, muffig riechender Wände stark. Am Ende wurde es komplett abgerissen. Büdenbender übernahm nicht nur kurzfristig den Abriss, sondern der Architekt plante auch das Untergeschoss innerhalb kürzester Zeit neu. Zwischen dem 18. und 27. Juni 2001, so notierte der Bauherr, wurde das „Brandhaus“ bis auf die Kellerdecke abgetragen. Am 4. Juli feierten 40 Leute Richtfest. Tags darauf wurde das Dach eingedeckt. Schon ab 17. September waren die Heitzes mit Möbeleinräumen beschäftigt.
Es ist ihr Haus geworden. „Es war ein schönes Arbeiten mit der Firma und den Leuten. Bauleiter Bernd Lautz war sozusagen immer präsent,“ so das Fazit der Eheleute. „Wir haben ein sicheres Wohngefühl und fühlen uns total wohl.“ Und dies auf 177 Quadratmetern im Erd- und im Obergeschoss, die beiden jeweils 15 Quadratmeter großen Balkone mal nicht eingerechnet. Sie sind als ein markantes, wohlgefälliges Detail an der südlichen Giebelseite schon von weitem zu sehen. Sie ziehen sich über die gesamten 7,50 Meter lang, und 2,20 Meter breit und zählen mit ihrem weißen Holzgeländer und dem großem Dachüberstand zu den Lieblingsplätzen des Ehepaares. Von hier geht der Blick weit übers Tal zum bewaldeten Eichborn mit seinen vorgelagerten grünen Wiesenhängen. Zum Schutz gegen die oft recht kräftigen Westwinde sind seitlich Glasscheiben angebracht. Aus demselben Grund ist die gesamte Westseite sowie der obere Teil der dem Hügel zugekehrten Nordseite mit Schiefer verkleidet. Wie am alten Haus. „Eine rundum saubere Arbeit“, sagt der Hausherr, der jeden Tag auf der Baustelle war. „Sie ist so gut gelungen, wie das ganze Haus.“ Solch Lob von einem, der selber in seinem Beruf als Konstrukteur an höchste Präzision gewöhnt ist, fällt doppelt ins Gewicht.
Mit dem Haus haben sich Gerhard und Gitta Heitze Träume von hellen, großzügigten Räumen erfüllt. Alles ist in weiß gehalten: Türen, Fenster, Wände. Das Erdgeschoss ist komplett gefliest, ebenfalls in hellen, freundlichen Farben. Das Wohnzimmer ziert ein hoher grauer Specksteinkaminofen, der nicht nur für kuschelige Ofenwärme sorgt, sondern die Elektroheizung sinnvoll ergänzt. Das Treppenhaus ist – anders als im alten Haus – offen. Auf halber Höhe zum Obergeschoss hat sich jeder der beiden sein ganz persönliches Kämmerchen eingerichtet.
Die Dusche im Erdgeschoss und das Bad im Obergeschoss sind reichlich bemessen. Wie auch das Schlafzimmer und die beiden Gästezimmer. „Um den Platz zu gewinnen, wurde das Haus oben gen um 2,60 Meter größer gezogen.“ Unterm Überstand kann Gerhard Heitze – geschützt und trocken – sein Holz für den Specksteinofen stapeln und noch andere „Kleinigkeiten“ unterbringen.
Liebster Lieblingsplatz des 63-jährigen Hausherrn ist jedoch sein Ausguck in der Galerie im Obergeschoss. Wenn der zukünftige Jäger – vorbehaltlich bestandener Prüfung – ab Einbruch der Dämmerung hier sitzt und sein Fernglas durchs Dachfenster auf den gegenüberliegenden Grashang am Waldrand richtet, vergisst er alles um sich herum. „50 Stück Rotwild habe ich neulich gezählt“, gerät der ansonsten recht nüchterne Erzähler ins Schwärmen. Immerhin sei das Netphen-Werthenbacher Gebiet eine der besten Rotwild-Jagden im Siegerland.
Es ist schön, hier zu leben.
Elke Schilling

